Ludwig Erhard
Mit der »Straße der Erinnerung« möchte Ernst Freiberger an große Deutsche erinnern, die vorbildlich im vergangenen Jahrhundert gehandelt haben - durch herausragende wissenschaftliche Leistungen, besondere Beiträge zur künstlerischen Kultur oder durch ihr Eintreten für Freiheit, Menschenwürde und Frieden. 
In dieser Gemeinschaft bedeutender Köpfe darf Ludwig Erhard nicht fehlen. Denn mit seiner Schöpfung der Sozialen Marktwirtschaft hat er dem Modell der freiheitlichen Demokratie erst jene tagtäglich fassbare, handgreiflich überzeugende Wirklichkeit verschafft, die sich im Wettbewerb zwischen Ost und West am Ende als erfolgreich erwiesen hat. Wohlstand ist, schaut man das Wort nur einmal genau an, viel mehr als ein ökonomischer Begriff. Gerechtigkeit, individueller Erfolg, Freiheit, sozialer Frieden – all das spielt mit, wenn es Menschen »wohl ergehen« soll.
Ludwig Erhards Politik löste im ganzen Land Aufbruchstimmung aus. »Wohlstand für alle«, das war nicht ein Wahlkampfslogan mit Verfallsdatum, sondern eine schicksalhafte Weichenstellung. Erhard ist der Erfinder des deutschen Modells für eine Volkswirtschaft, in der das Prinzip unternehmerischer Entfaltung mit der Idee der sozialen Gerechtigkeit versöhnt wurde. Nach einem Jahrhundert des industriellen Aufschwungs, nach den schlimmen Erfahrungen mit dem ungezügelten Kapitalismus, der in die Weltwirtschaftkrise von 1929/30 getaumelt war, in der das Unglück Europas begann, und angesichts der negativen Bilanz des kommunistischen Planwirtschaftsystems formulierte Ludwig Erhard etwas scheinbar ganz einfaches: Im Mittelpunkt allen Wirtschaftens sollte wieder ein freier Bürger stehen. Fleißig, selbstbewusst sollte er für sich und seine Familie arbeiten. Aber er sollte nicht vom Staat gegängelt und umhegt werden, sollte vom Staat nicht Fürsorge für alles und jedes erwarten, sondern nur eine Ordnung, die für fairen Wettbewerb sorgt. »Das mit der modernen Technik zusammenhängende Anlehnungsbedürfnis der Menschen an Gruppengebilde, die Lebensangst und das Verlangen nach sozialer Sicherheit sind der Ausprägung des persönlichen Muts und persönlicher Verantwortungsfreudigkeit wenig hold. Aber gerade diese Gesinnung gilt es zu wecken und zu bezeugen, wenn wir von unserer Freiheit den rechten Gebrauch machen wollen«, so Erhard in den 1950er Jahren, und seine Diagnose trifft heute genauso zu wie damals.
be.bra wissenschaft verlag GmbH
Berlin-Brandenburg 2010
ISBN 978-3-937233-65-9
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