"We are the People" monument


‘We are the People’

Im Fokus der schicksalhaften Wochen des Herbstes 1989 stehen im Allgemeinen die Leipziger Montagsdemonstrationen oder die Demonstration auf dem Berliner Alexanderplatz, bei der am 4. November 1989 über eine Million Menschen der SED-Führung deutlich machten, dass die Uhr des Unrechtsregimes abgelaufen war. Niemand wird die Maueröffnung am Abend des 9. November 1989 vergessen oder die Nacht zum 3. Oktober 1990, in der nach 44-jähriger Teilung Deutschlands die Menschen die friedliche Wiedervereinigung feierten.
Der Untergang der DDR war schon lange absehbar und im Herbst 1989 überschlugen sich die Ereignisse. Zum ersten Mal war der Ruf „Wir sind das Volk“ am 2. Oktober 1989 nach einem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche zu hören. Während des Besuchs von Michail Gorbatschow anlässlich der Feiern zum 40. Jahrestag der DDR riefen die Menschen vor dem „Palast der Republik“ bereits: „Hier steht das Volk – nicht ihr da drinnen“ und Sprechchöre skandierten: „Gorbi hilf uns – Wir sind das Volk – Demokratie jetzt!“. Aus dem Ruf „Wir sind das Volk“ wurde schon bald das Bekenntnis: „Wir sind ein Volk.“

Genau heute vor 20 Jahren, am 13. Oktober 1989, gründete sich in der Erfurter Augustinerkirche die Initiative „Demokratischer Aufbruch“, bei der Pfarrer Hansjörg Dost sich zur deutschen Identität bekannte. Dieses Treffen wurde von der allmächtigen Stasi ebenso beobachtet wie alle anderen Aktivitäten derer, die zunächst noch eine freiheitliche DDR wollten. So verlangte das Ministerium für Staatssicherheit in einem Papier vom 13. Oktober 1989 „eine rechtzeitige Absperrung des gesamten Geländes mit starken Polizeikräften“, um das „Neuen Forum“ an einem Treffen in der Berliner Sophienkirchgemeinde zu hindern.

Gleichzeitig unternahm das SED-Regime letzte Anstrengungen, Unmut und Protest in geordnete Bahnen zu lenken und so zu überleben. Am 13. Oktober kam im SED-Politbüro der Gedanke auf, Reisen in die Bundesrepublik und nach West-Berlin zu erleichtern. Von der Bundesregierung sollte der jährliche Devisenmehrbedarf von 500 Millionen DM eingefordert werden. Ab Mitte der 90-er Jahre sollte den Einwohnern der DDR alle drei Jahre ein Betrag für Reisen ins „nichtsozialistische Ausland“ bewilligt werden.

Die Geschichte verlief anders und sie war nicht mehr aufzuhalten. Die Menschen in der DDR hatten sich für Freiheit und Wiedervereinigung entschieden. Sie wollten keine reformierte DDR mehr und auch keinen Hans Modrow oder Egon Krenz. Sie wollten den Sturz der kommunistischen Diktatur, die Freiheit und das Ende der deutschen Teilung.

Mit dem Denkmal „Wir sind das Volk“ ehrt die Ernst Freiberger-Stiftung alle „Helden ohne Degen“, die mit ihrem gewaltlosen Widerstand gegen das unmenschliche SED-Regime die Mauer zum Einsturz brachten. Sie haben sich ungeachtet aller Gefahren für Menschenrechte und Menschlichkeit eingesetzt. Ihnen gebührt der Dank aller Deutschen.